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DEFRAGMENTIEREN, FORMATIEREN, PARTITIONIEREN
(Kategorie: Computer)

Diese drei Begriffe hängen alle mit der Festplatte im Computer zusammen - das eine sollte man tun, das andere gerade nicht. Aber was ist das alles? Vielleicht überlegen wir einfach, wie eine Festplatte funktioniert.

Stellen wir uns vor, Ihre Festplatte wäre wie eine große Bibliothek mit Abermillionen von Büchern. Um hier irgendwie ein Buch zu finden, ist es natürlich enorm wichtig, dass sie gut sortiert und katalogisiert ist.

Zunächst ist die Bibliothek in mehrere große Räume aufgeteilt - einer für Prosa, einer für Lyrik usw., jeder mit seinem eigenen Katalog. Am Eingang stehen Wegweiser wie "Lyrik nach rechts"; jeder Raum ist aber im Grunde genommen eine eigene Bibliothek, der auch ohne die anderen funktionieren würde. - Auf Ihrer Festplatte ist das nicht anders. Auch dort gibt es die Möglichkeit mehrerer Abschnitte, die sich alle wie eine eigenständige Bibliothek verhalten (bzw. wie eine eigene Festplatte). Diese einzelnen Abschnitte Ihrer Festplatte nennen sich Partitionen. Eventuell finden Sie bei sich zuhause die Festplatten C: und D: - es ist gut möglich, dass diese auf ein und demselben Gerät untergebracht sind. (Schauen Sie doch mal in Ihren Rechner, wieviele Festplatten wirklich darin verbaut sind!)

Damit ist auch bereits klar, was "Partitionieren" bedeutet: Das (Neu-)Erstellen solcher Partitionen. Es ist also, als würde man in unserer Bibliothek Wände einbauen (und ggf. vorher andere einreißen), um solche "Unter-Bibliotheken" zu erzeugen. Klar ist natürlich auch: Dort drin muss vorher alles raus, bzw. wenn man dort Bücherregale stehen lässt, besteht ein nicht geringes Risiko, dass die Bücher dabei zerstört werden. - Vorsicht also beim Partitionieren: Immer schön vorher die Daten sichern! - Aber vermutlich werden Sie sehr selten in den Genuss einer Partitionierung kommen - das macht man in der Regel einmal und ändert die Partitionsgrößen danach nur selten, wenn überhaupt.

Von Zeit zu Zeit muss renoviert werden in unserer Bibliothek. Und hier wählt sie einen radikalen, aber wirkungsvollen Ansatz: Alles muss raus! Der zu reinigende Raum wird komplett ausgeräumt (und zwar wirklich komplett!), und dann werden einmal die Wände gestrichen, der Fußboden erneuert, und weil der Chefbibliothekar der Meinung ist, man fände dann die Bücher besser, werden die Bodenhalterungen für die Bücherregale in einer anderen Anordnung angebracht. Danach kommen die Regale und die Bücher wieder hinein.

Diesen Vorgang gibt es ebenfalls auf Ihrer Festplatte - er nennt sich Formatieren. Auch hier gehen die Daten kaputt, wenn man sie auf der Platte lässt. Die Anordnung, wie die Regale stehen, könnte man als Äquivalent zum "Dateisystem" verstehen. (Falls Ihnen schon Begriffe wie FAT32, NTFS oder ext3 begegnet sind - das sind verschiedene Dateisysteme.) Formatiert wird auch eher selten, meist tut man das, wenn man z.B. sein Windows neuinstalliert. Es sorgt eben für Ordnung.

Bleibt noch ein Begriff, das Defragmentieren. Wir stellen uns die Bibliothek im laufenden Betrieb vor - ständig entleihen Leute Bücher, und andere bringen welche zurück. Sind die Bibliothekare extrem beschäftigt, kann es passieren, dass jemand Band 1-13 des Großen Brockhaus entleiht, wodurch im Regal eine Lücke entsteht. Weil es bequemer ist, stellt ein anderer Bibliothekar ein anderes großes Werk, das gerade zurückkommt in diese Lücke. Nun bringen Sie den Brockhaus wieder, Bibliothekar 3 bemerkt, dass nicht genug Platz ist, stellt ihn in eine andere Lücke in einem anderen Regal und legt an die eigentlich geplante Stelle einen Zettel mit dem neuen Aufenthaltsort.

Stellen wir uns vor dem geistigen Auge dieses Treiben über einige Wochen lang vor. Wollen Sie nun irgendwann den ganzen Brockhaus entleihen, ist es gut möglich, dass der Bibliothekar einer Kette von Zetteln hinterherläuft und für jeden einzelnen Band zu einem anderen Regal gehen muss. - Das dauert freilich sehr viel länger, als wenn immer alles nebeneinander stünde, was zusammengehört. Und deswegen wird die Bibliothek möglichst häufig Tage einlegen, in denen einfach nur sortiert wird! Und dieses Sortieren ist die Entsprechung zum "Defragmentieren" (also das Entfernen von Bruchstücken, z.B. den einzelnen Brockhaus-Bänden zugunsten des gesamten Lexikons am Stück).

Wenn Sie jetzt den Gedanken hatten, dass man doch alles immer gleich wieder an den selben Platz zurückstellen könnte: Das ist im Falle der Bibliothek natürlich richtig. Das Bild ist insofern nocht ausreichend, als hier nur von Lesezugriffen die Rede ist; schwierig wird es, wenn man sich vorstellt, dass zum laufenden Betrieb gleichzeitig noch Tonnen von weiteren Büchern angeliefert werden, die ebenfalls Platz in der Bibliothek brauchen! Man kann irgendwann nicht mehr ein neues Regal anfangen, weil erstens irgendwann in jedem schon ein Buch steht, und weil man als Bibliothekar zweitens auch nicht immer weiß, ob das Buch, das man soeben einsortiert, einen Nachfolger haben wird oder nicht!

Eine Möglichkeit, diesem Problem zu begegnen, ist, immer noch Reserveregale in einem Extraraum zur Verfügung zu haben, die neuen und zurückgegebenen Bücher erst dort zwischenzulagern und erst einzusortieren, wenn Zeit dafür ist - das aber dann gleich richtig, so dass Fragmente gar nicht erst entstehen. - Die verschiedenen Dateisysteme unterscheiden sich hier stark; FAT32 und NTFS ähneln eher der Variante mit den Zetteln (und diese Dateisysteme werden v.a. bei Windows-Rechnern eingesetzt); ext3/4 (vorwiegend Linux-Dateisysteme) hat eher die Idee mit den Extraregalen implementiert, dort muss man gar nicht defragmentieren. (Gefahren lauern dort allerdings beim entnervten Resetknopfdruck, um den Rechner neuzustarten! Die Extraregale befinden sich nämlich im Arbeitsspeicher des Rechners, und der wird bekanntlich gelöscht, wenn der Rechner ausgeht. Diese Daten wären dann also weg. - Zum Glück muss man unter Linux fast nie Reset betätigen. Aber USB-Sticks sollte man tunlichst wirklich abmelden...)

Das bedeutet:

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