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Nerd-Lexikon für Nicht-Nerds: Begriffe aus diversen Fachgebieten, für Nichtfachmänner verständlich erläutert. Über das Lexikon: Über das Lexikon.
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VERSCHLüSSELUNG
(Kategorie: Computer)

Es soll hier nicht darum gehen, was Verschlüsselung ist, denn das wird jeder wissen: V. ist die Benutzung irgendeines Codes, um Daten (meist Schrift) oder Kommunikation aller Art für andere so unleserlich zu machen, dass nur man selbst oder evtl. der Gesprächspartner den Datensalat entziffern kann. So weit, so klar. Die Frage ist: Warum ist das wichtig?

Grundsätzlich braucht jeder Mensch ein gewisses Maß an Privatsphäre. Man möchte nicht, dass alle alles über einen wissen; unter anderem aus diesem Grund hat sich z.B. das Konzept der Wohnungstür durchgesetzt... Und gerade im Falle von fernmündlicher oder ~schriftlicher Kommunikation gibt es immer ein Problem: Irgendjemand, den man selbst nicht kennt, kümmert sich darum, dass die Briefe zugestellt, die Telefongespräche vermittelt und die E-Mails an den Empfäger weitergeleitet werden.

Im Falle des Briefes hat es sich durchgesetzt, nicht ausschließlich auf Postkarten zu schreiben - obwohl das billiger ist! Bekommt man Post vom Finanzamt mit dem zu versteuernden Einkommen, möchte man eben nicht, dass der Briefträger diese Information bekommt, obwohl der einem selbst völlig unbekannt ist. Briefe mit solchem Inhalt packt man in einen Briefumschlag und klebt ihn zu. Man beachte, dass hier noch kein Gedanke an Überwachung oder Geheimdienste verschwendet wurde! Trotzdem klebt man den Brief zu. Es ist einfach ein beruhigender Gedanke, dass die privaten Inhalte nicht jedem Dritten zugänglich sind - unabhängig davon, ob man diese Dritten kennt oder nicht.

Nun ist das Zukleben eines Briefes nicht unbedingt das, was man sich unter V. vorstellt; aber genau genommen trifft es auch hier zu: V. enthält ja bereits das Wort "Schlüssel". Es geht darum, etwas wegzuschließen, um es fremden Blicken zu entziehen - etwas, was der Briefumschlag in bester Weise erfüllt... Das gleiche gilt z.B. für Tagebücher, die ja manchmal tatsächlich mit einem Schloss gesichert sind.

Dass V. in diesem Lexikon überhaupt unter "Computer" einsortiert wurde, liegt daran, dass wir heutzutage einen wesentlichen Teil unserer privaten Daten in digitaler Form vorliegen haben und auch in elektronischer Form weiterkommunizieren. Wohlgemerkt: Auch ein Telefongespräch ist heutzutage ein digitaler Vorgang, der oftmals über die gleichen Kanäle läuft wie E-Mails oder Google-Suchen (oder z.B. immer öfter auch: das Fernsehen). Und diese Kanäle (man könnte sie zusammengefasst "Internet" nennen) sind, was private Kommunikation angeht, noch weitaus schwieriger zu handhaben als ein Postnetz, das seinerseits schon komplex genug ist.

In früheren Zeiten, in denen auch schon sehr viel überwacht wurde, legte man Datensammlungen über die Menschen an, die durchaus umfangreich waren. Sich dagegen zu wehren war schwierig; um z.B. seine konspirativen Briefe zu verschlüsseln, gab es keine Möglichkeit, denn kaum jemand besaß einen PC. Die Überwacher jedoch hatten sicherlich das, was an vorderster Front der Technik möglich war; eine Verschlüsselung wäre von den Überwachern daher sicherlich zu knacken gewesen.

Eine mögliche Gegenstrategie galt damals, heute aber umso mehr. Je mehr verschlüsselter Verkehr nämlich in die Netze der Überwacher geht (und auf jeden Fall aufgehoben wird), desto schwieriger wird es für diese! Sie müssen dann nämlich entscheiden, welche der Nachrichten sie dechiffrieren möchten - und wenn sie auch riesige Rechenkapazität dafür zur Verfügung haben: Unendlich ist diese nicht... Ein Effekt der Verschlüsselung im Internet ist also, Sand in das Getriebe der abhörenden Parteien zu streuen! - Und nebenbei gibt man denjenigen Deckung, die wirklich auf Verschlüsselung angewiesen sind: Dissidenten in diversen Regimes, Whistleblower usw.; bei all denen, die wirklich Gefahr laufen, echten Schaden davonzutragen, wenn ihre Kommunikation entschlüsselt wird.

Ganz nebenbei sollte man natürlich nicht vergessen, dass nicht nur Geheimdienste u.a. meine und Ihre elektronische Post lesen, sondern auch "ganz normale Betrüger" dies versuchen. Die Argumentation mit dem Briefumschlag von oben hat unverändert Gültigkeit - Ihre unverschlüsselten Mails sind im Netz wie eine Postkarte von jedem einsehbar, der es darauf anlegt!

Und noch einen dritten Aspekt gibt es. Firmen wie z.B. Google verdienen ihr Geld mit Werbung; wenn Sie dort ein Mail-Postfach haben, werden die eingehenden Mails automatisch gelesen, um Kontexte aus dem Text zu ermitteln - und Ihnen möglichst passende Werbung einzublenden (mit der Google mehr Geld als mit zufälligen Anzeigen verdient). Mit verschlüsselten Mails ist das nicht mehr möglich, denn auch Google (oder Facebook und viele andere...) sieht dann nur noch Zeichensalat, aus dem keine Informationen über Ihre Vorlieben gewonnen werden können...

Natürlich ist hier jetzt vorwiegend über Verschlüsselung von Kommunikation gesprochen worden. Aber selbstverständlich können auch andere Dinge verschlüsselt werden: die Daten auf Ihrer Festplatte, Ihr WLAN daheim (siehe Störerhaftung) usw. - aber eines gilt in jedem Fall: Verschlüsseln ist ganz generell eine sehr gute Idee!

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