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Nerd-Lexikon für Nicht-Nerds: Begriffe aus diversen Fachgebieten, für Nichtfachmänner verständlich erläutert. Über das Lexikon: Über das Lexikon.
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QUELLOFFEN
(Kategorie: Computer)

Dieser Begriff bezieht sich allermeistens auf Software: Quelloffene Programme sind solche, deren Quelltext jedem Interessierten zugänglich ist.

Viele kommerzielle Hersteller von Computerprogrammen halten den Quellcode ihrer Programme unter Verschluss - ausgeliefert wird nur der Maschinencode, also die für den Chip im Computer übersetzte Variante. Warum? Nun, es ist wie mit einem Kochrezept.

Nehmen wir an, Sie besitzen ein ganz tolles Geheimrezept für, sagen wir, einen Kirschkuchen. Jeder mag ihn, und Sie werden immer wieder nach dem Rezept gefragt; da Sie also eine gewisse Nachfrage bemerken, beschließen Sie, den Kuchen fortan zu verkaufen. Auf die Frage nach dem Rezept also antworten Sie, derjenige könne ja einfach einen Kuchen bestellen.

Aus Ihrer Sicht ist das natürlich verständlich, denn eines wollen Sie natürlich nicht: Dass jeder Ihren Kuchen nachbacken kann! Kennt niemand das Rezept, sind Sie in einer sehr machtvollen Position - solange die Nachfrage bestehen bleibt.

Es gibt natürlich andere, die auf den Zug aufspringen wollen. Die versuchen herauszubekommen, wie Sie den Kuchen gebacken haben, welche Zutaten drin sind usw.; klugerweise aber haben Sie auch jeder Kuchenkiste einen Zettel beigelegt, auf dem steht, dass die Leute Ihren Kuchen essen dürfen - aber nicht nachmachen! Denn Sie haben natürlich auf Ihr Rezept ein Patent angemeldet und haben daher die Rechte daran. Jemand also, der den Kuchen leidlich gut nachbackt (natürlich nicht so gut wie Sie!) und ihn verkauft, macht sich strafbar, und Sie können ihm das gerichtlich verbieten. Übrigens sogar dann, wenn er sein Produkt verschenkt!

Nun trägt es sich aber zu, dass in Ihrer Forschungsabteilung, wo das Rezept unter strengster Geheimhaltung verbessert wird, ein Fehler passiert - jemand verschreibt sich, und statt 1 kg Vanille pro 100 kg Teig stehen da plötzlich 10 kg Vanille. Das bemerkt erstmal niemand (Fehler passieren eben), und so landet der neue Zettel in der Produktion - und plötzlich werden Kirschkuchen gebacken, die nahezu ungenießbar sind.

Die ersten Beschwerden werden von Ihrer PR-Abteilung natürlich erst einmal nicht ernst genommen, denn es gibt immer Leute, denen etwas nicht schmeckt... Erst nach einer Weile dämmert es Ihnen, dass da wohl wirklich ein Problem besteht, und Sie schicken Ihr Labor in die Spur. Das benötigt einige Zeit, den Fehler zu finden; und die richtige Menge Vanille zu bestimmen, dauert ebenfalls etwas. Zusätzlich können Sie natürlich nicht so offen zugeben, dass in Ihrem Top-Produkt ein schwerwiegender Fehler steckt - also entwerfen Sie eine neue Schachtel, schreiben noch "Jetzt mit noch besserer Rezeptur!" darauf und geben das korrigierte Produkt einige Wochen später in den Verkauf. In dieser Zeit gewinnt Ihr Kuchen und möglicherweise auch die Firma aber bereits den Ruf, nicht zuverlässig zu arbeiten und schlampig zu sein; und der neue Slogan liest sich auch nicht sympathisch, sondern ganz offensichtlich verkaufsfördernd und beschönigend; die Leute werden anfangen, auf Apfelkuchen umzusteigen.

Ihr Kuchen ist das, was man nicht quelloffen (oder als Fachbegriff: proprietär) nennt. Jemand anders aber hat sich einen fabelhaften Apfelkuchen ausgedacht und fährt eine ganz andere Strategie: Er verbreitet ganz bewusst sein Rezept! Und zwar mit folgendem Zusatz: Jeder darf den Kuchen nachbacken, verändern, verbreiten, verbessern - unter einer Bedingung. Das Ergebnis muss wieder unter genau den gleichen Bedingungen veröffentlicht werden!

Was passiert? Viele Leute fangen an, den Apfelkuchen zu verändern und ihre Rezepte weiterzuverbreiten. Zunächst gibt es einen unüberschaubaren Wust von Rezepten (mit Butter, vegan, mit Bio-Äpfeln, mit Roggenmehl usw.), mit der Zeit jedoch sind die meisten Leute zu faul zum Herumprobieren und wählen eines, das sie immer wieder backen - es bleiben einige Rezepte übrig, die von einzelnen Enthusiasten immer weiter verbessert werden.

Unterläuft nun einem dieser Enthusiasten beim Rezeptverbessern ein Fehler (und er schreibt versehentlich 10 Teelöffel Zimt - statt 1), haben die ersten, die das neue Rezept testen, ein Verdauungsproblem. Sehr schnell aber verbreitet sich die Nachricht, dass da etwas nicht stimmt, und die Enthusiasten sind schnell darin, den Fehler zu finden - denn es sind viele, die auf das Rezept schauen. Der Fehler ist also schnell behoben, und die korrigierte Fassung wird veröffentlicht.

Der Apfelkuchen ist quelloffen. Und es zeigen sich die Vorteile: Tauchen Fehler auf, sind diese dank vieler Augen, die das Rezept begutachten können, schnell behoben. In Ihrer Firma können nur wenige Augen darauf schauen, daher dauert es einfach länger...

Zurück zum Computer. Das Kuchen-Gleichnis hakt an manchen Stellen, aber das Wesentliche macht es deutlich: Quelloffene Software ist tendenziell sicherer und stabiler! Und zwar einfach deswegen, weil viel mehr Leute sich genau anschauen können (und das meist auch tun), was genau das Programm tut, und auf diese Weise sehr schnell Fehler finden und korrigieren können.

Ein tolles Beispiel für quelloffene Software ist das Betriebssystem Linux. Im September 2014 gab es einen schwerwiegenden Fehler in einer bestimmten Software-Komponente (der "bash"). Es gab mehrere korrigierte Versionen davon - und zwar einen, zwei und vier Tage nach Bekanntwerden! Und mit "es gab" ist hier gemeint: Sie erschienen in der Update-Funktionen meines Rechners. Das ist wirklich schnell... (Und zum Vergleich: Auch in Apples Betriebssystem OS gibt es dieses Programm. Dort dauerte es aber mehrere Wochen, bis die korrigierte Version den Nutzern zur Verfügung stand...)

Und wer verdient aber mit quelloffener Software Geld? Die Frage ist natürlich berechtigt. Ein Beispiel: Die momentan möglicherweise populärste Linix-Variante "Ubuntu" wird (quelloffen) von einer südamerikanischen Firma programmiert - die ihr Geld damit verdient, eben dieses Betriebssystem bei Firmen aufzuspielen, die Mitarbeiter zu schulen, die Rechner zu warten usw...

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